| Blick zurück auf Zorn |
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| Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung |
| Dienstag, den 02. November 2010 um 14:36 Uhr |
Blick zurück auf Zorn
Filmschauspieler Hanno Koffler ist Ensemblemitglied im Staatstheater - Am Freitag spielt er "Mars"Von Martin Jasper
Zum Gespräch kommt er mit dem Rad, dahinter ein Kinder-Anhänger. Unser Filmstar. Man erkennt ihn sofort an den leuchtend blauen Augen. Filmstar? Da winkt er ab. Er werde schon manchmal auf der Straße erkannt, auch in Braunschweig, erzählt Hanno Koffler. "Aber das hält sich noch so in Grenzen, dass ich mich drüber freuen kann." Als er seine Filmkarriere begann, war er noch gar kein "richtiger" Schauspieler. Sein Freund, der Regisseur Marco Kreuzpaintner, hatte mit dem damaligen Rock-Schlagzeuger mehrere Filme gedreht, darunter den Kinoerfolg "Anatomie 2". "Da habe ich erstmal die Bremse 'reingehauen. Stopp. Das war typisch Hanno. Ich wollte das richtig lernen." Also ging er ans Wiener Max Reinhardt-Seminar. Sein Lehrer war Klaus Maria Brandauer. Seine Filmkarriere setzte er mit wichtigen Rollen in "Der Rote Baron" und "Krabat" fort. In Brigitte Berteles "Nacht vor Augen" spielte er die Hauptrolle eines gebrochenen Heimkehrers aus dem Afghanistan-Krieg. Aber Hanno Koffler wollte sich auch auf der Bühne ausprobieren. Deshalb ist er seit Beginn der Spielzeit Ensemblemitglied im Braunschweiger Staatstheater. Und beim Plaudern mit diesem unprätentiösen und nachdenklichen Schauspieler wird klar: Hier lässt sich nicht ein Star herab. Sondern da ist einer fasziniert von den neuen Erfahrungen. In einem Ensemble, das ihn begeistert. In einem Medium, das eine ganz andere Sprach- und Körperbehandlung verlangt als der Film, dazu die Kunst, einen großen Spannungsbogen über einen ganzen Abend zu halten. Er werde aber auch bald wieder drehen, verrät er (aber nicht, was). Müßig die Frage, was er lieber mag, Bühne oder Film? "Beim einen erholt man sich vom anderen." Sein Braunschweiger Debüt gab er als Frauenverführer Mellefont in Lessings "Miss Sara Sampson". In unserer Kritik hieß es: "Fast ein wenig verliebt ins eigene Schweinsein und genervt von den Weibern - der moderne Großstadttyp des bindungsscheuen Mannes." Am Freitag um 22.30 Uhr präsentiert er in der Hausbar des Großen Hauses sein Ein-Personen-Stück nach dem Roman "Mars" von Fritz Zorn. "Das Buch hat uns Brandauer gegeben, als wir mit ihm in Wien den Hamlet machten. Es hat mich umgehauen." Das 1977 erschienene Kultbuch ist die radikale Abrechnung eines Krebskranken mit seiner lieblosen Kindheit und Jugend im Züricher Großbürgertum. Der Autor starb mit 32 Jahren. Nein nein, man darf sich Hanno Koffler als glücklichen Menschen vorstellen. Er sei weder krank noch neurotisch, habe eine wunderbare Tochter, eine tolle Freundin. Dennoch berührt ihn diese Abrechnung tief: "Weil es so wichtig ist, auch die schmerzhaften Erfahrungen herauszulassen. Wir sind alle so irrsinnig angepasst, wir wollen bloß nicht stören. Aber wir haben sehr wohl das Recht, auch mal zu stören!" Manchmal müsse man dem Bedürfnis nachgeben, mal aus der eigenen Haut rauszukommen, müsse sich fragen: "Hey, wie tief stecke ich eigentlich im Funktionieren, und mein Ich schreit nach ganz anderen Dingen?!" Braunschweiger Zeitung: 2. November 2010, Kultur, Seite 16 |