| Keine Anfänger, sondern Experten für Anfänge |
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| Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung |
| Dienstag, den 30. November 2010 um 11:48 Uhr |
Keine Anfänger, sondern Experten für Anfänge
"Ein paar liefen weg und wurden glücklich" - Ulrike Hatzer erarbeitet ein Theaterstück mit BürgernVon Henning Thobaben
Dass alles ein Ende hat, ist bekannt. Aber viel schöner ist doch das Gegenstück, das sich manchmal sogar zeitgleich einstellt. "Ein paar liefen weg und wurden glücklich - Geschichten vom Anfang" heißt das Projekt des neuen Stadt-Theater-Ensembles des Staatstheaters, das am Freitag Premiere feiert. Das neue Ensemble besteht aus 50 Menschen, die ihre Geschichten in die Aufführung einbringen. Den Begriff Laien mag Regisseurin Ulrike Hatzer nicht. "Wer für etwas Experte ist, ist kein Laie!" Sie spricht lieber von Expertisen, die jeder Teilnehmer in das Stück einbringt. Die meisten Mitglieder des Ensembles haben beruflich nichts mit dem Theater zu tun. Dennoch: "Viele haben große Fähigkeiten auf inhaltlicher oder darstellerischer Ebene, derer sie sich gar nicht bewusst sind", hat Ulrike Hatzer festgestellt. Auf der inhaltlichen Ebene hat schon jeder Anfänge erlebt. "Wir haben eine ältere Dame dabei, die als Kind den Krieg erlebt hat und davon seit Jahren an Schulen erzählt und ein Buch darüber geschrieben hat. Auf der erzählerischen Ebene ist sie ein Profi", berichtet Ulrike Hatzer. Für die Regisseurin und Theaterpädagogin ist die Verknüpfung der Disziplinen selbstverständlich. "Wenn es eine Geschichte braucht, von Schauspielern gespielt zu werden, wird sie von Schauspielern gespielt. Wenn eine Geschichte nach Kraftfahrzeug-Mechanikern verlangt, machen die es eben", erklärt sie ihren pragmatischen Ansatz. Das Altersspektrum der Ensemble-Mitglieder reicht von 14 bis 79 Jahren. Viele hatten sich auf dem Theaterfest an großen Erzähltischen präsentiert, an denen von Seiten des Theaters auch Experten für Anfänge wie zum Beispiel eine Hebamme, ein frischgebackener Rentner oder ein Immigrant platziert wurden. Die Resonanz war groß. "Wir haben das vorher schon in Potsdam gemacht. Wenn man dort ruft, gehen viele in Deckung. Wenn man es in Braunschweig tut, kommen gleich ganz viele", sagt Ulrike Hatzer. Seit Mitte September arbeitet ihre Gruppe miteinander. Einige Teilnehmer haben zwei- bis dreimal pro Woche geprobt, andere waren nur punktuell auf Zuruf dabei. Die Biographien der Teilnehmer werden verdichtet und gegenübergestellt. Generationen, Weltanschauungen, Herkunftsgeschichten prallen aufeinander. Das soll ganz nah an den Geschichten passieren, weshalb das Stück nicht im Theater aufgeführt wird. Ensemble und Zuschauer wandern in den eingeplanten zweieinhalb Stunden fünf besondere Spielorte ab. Nur drei Vorstellungen sind vorgesehen - im Februar gibt es mit der zweiten Staffel einen Neuanfang. Premiere am 3. Dezember, 19.30 Uhr. Treffpunkt und erster Spielort: St. Leonhard-Kapelle, Leonhardstraße 43. Braunschweiger Zeitung: 30. November 2010, Kultur, Seite 16 |